Weltschulmilchtag

 

Jeweils am letzten Mittwoch im September ist der „Weltschulmilchtag“. Genau wie der Tag der Milch wird dieser Tag von der Milch-Lobby genutzt, um den Konsum von Kuhmilch und Kuhmilchprodukten anzukurbeln und Mythen über angeblich gesunde Kuhmilch in der Bevölkerung zu verankern. Zum ersten Mal ausgerufen wurde der „Weltschulmilchtag“ am 28. September 2000 durch die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

 

Schulkinder sollen aber natürlich nicht nur an einem Tag im Jahr Kuhmilch trinken, sondern möglichst jeden Tag und möglichst viel. Um die Agrarindustrie zu unterstützen, subventioniert die Europäische Union das sogenannte „EU-Schulmilchprogramm“. In Deutschland soll es dazu führen, dass jedem Schüler und jeder Schülerin pro Tag 250 Milliliter Vollmilch begünstigt zur Verfügung gestellt werden. 70 Millionen Euro hat die EU im Jahr 2012 an Molkereien und Milchhändler überwiesen, damit diese möglichst viele Schulen mit kleinen Milch-Packungen beliefern. Auf Deutschland entfielen davon 5,6 Millionen Euro. Im Schuljahr 2007/2008 wurden für Subventionen von 55 Millionen Euro insgesamt 300.000 Tonnen Milch in 27 Mitgliedsstaaten der EU an Schulen verteilt.

 

Am Schulmilchprogramm können alle Schülerinnen und Schüler teilnehmen, die Kindergärten, Vorschulen, Grundschulen oder weiterführende Schulen besuchen. Die Schulmilch wird in die Einrichtungen, die für die Teilnahme am Schulmilchprogramm registriert sind, durch Schulmilchlieferanten gebracht. Die konkrete Umsetzung des EU-Schulmilchprogramms in Deutschland übernehmen die Bundesländer.

 

Argumentiert wird von Seiten der Politik und der Milchindustrie natürlich nicht mit Umsatz- und Gewinnsteigerungen für die Agrarwirtschaft, sondern mit angeblicher Gesundheitsförderung. Zur konkreten Beeinflussung von Schülern und Lehrern gehören auch Maßnahmen wie die Bereitstellung von umfangreichen Unterrichtsmaterialien oder die Angebote, Vorzeige-Betriebe mit Schulklassen zu besuchen. Außerdem betreibt die Milchlobby natürlich auch zahlreiche Webseiten, wie zum Beispiel der Verein Schulmilch für Alle e.V.. Auf dessen Seite wird auch versucht, die gesundheitswissenschaftlich belegten Argumente gegen den Konsum von Kuhmilch aufzuweichen. Die Glaubwürdigkeit dieser Informationen sinkt jedoch beträchtlich, sobald man Recherchen zum Vorstand des Schulmilch für Alle e.V. durchführt. Alle drei Vorstandsmitglieder sind selbst Landwirte mit Milchproduktionsbetrieben.

 

Die Internetseite zum Weltschulmilchtag wird von einer Kommunikationsfirma aus Bonn (Haus für Kommunikation) betrieben, die auf ihrer Unternehmenswebseite folgende „Kooperationspartner“ preisgibt: Tetrapak, Landliebe (FrieslandCampina), Oreo (Kraft-Foods), Langnese (Unilever), Doppelherz (Queisser Pharma), PEFC (ein Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung, das von Robin Wood und Öko-Test kritisiert wird).

 

Nicht ganz überraschend darf geschlussfolgert werden, dass es beim Weltschulmilchtag nicht um gesunde Ernährung von Kindern geht, sondern um Profitmaximierung verschiedener Wirtschaftsunternehmen auf Kosten von Tieren und Kindern, die für die Produktion oder den Konsum von Kuhmilchprodukten mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit bezahlen. Die meisten Kinder würden in Tränen ausbrechen, wenn sie mitansehen müssten, wie kleinen Kälbchen im Schlachthof die Kehlen durchgeschnitten werden. Dieser Zusammenhang wird von der Milchindustrie aber gerne unter den Teppich gekehrt. Schülern, Eltern und Lehrern muss aber klar sein, dass mit jedem Päckchen Schulmilch die millionenfache Ausbeutung und Schlachtung von Kühen und Kälbern in Auftrag gegeben wird.

 

Aufgrund der unnatürlich hohen Milchleistung, auf die sie gezüchtet wurden, leiden die meisten Milchkühe an Euterentzündungen sowie an Bein- und Fußkrankheiten. Der geringe Platz, die Betonspaltenböden, die nassen und mit Gülle verschmutzen Böden und mangelhafte Hygiene stellen die größten Gefahren für die Verursachung von Bein- und Fortbewegungsproblemen dar. Klauenstörungen kommen bei bis zu 50 Prozent aller Milchkühe vor (10). Diese erhöhen die Anfälligkeit für andere Erkrankungen wie Mastitis und Stoffwechselkrankheiten. Die epidemische Verbreitung von Mastitis, eine schmerzhafte bakterielle Entzündung der Euterdrüsen, begann mit der Einführung der Melkmaschinen in den Nachkriegsjahren des 20. Jahrhunderts. Durch eindringende Erreger, dem Liegen auf verkoteten Betonflächen und der Fütterung mit Kraftfutter, statt mit artgerechter Nahrung wie Gras und Heu, verbreitet sich die Krankheit zusätzlich. Sie ist heute zu einem flächendeckenden Problem geworden und betrifft etwa 30 bis 50 Prozent aller Kühe in Europa (11). Da Mastitis nur mit Penicillin und Antibiotika bekämpft werden kann, ist sie der häufigste Grund für den Antibiotikaeinsatz bei Kühen. Im Juli 2009 bemängelte sogar die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in einem Gutachten die Haltungsbedingungen und die auf hohe Milchleistung gerichtete genetische Auswahl, die für die erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen bei Milchkühen verantwortlich sind (12).

 

Die allermeisten Kühe, deren Milch(produkte) heute im Handel erhältlich sind, fristen ein Leben ohne Tageslicht, Bewegung oder natürliche Familienstrukturen, körperlich überlastet, oft krank und unter Schmerzen, gefangen in Dunkelheit hinter Mauern, die sie, außer auf ihrem Weg in den Tod, nie verlassen werden.

 

 

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