Milchproduktion

 

Kühe geben wie alle Säugetiere, nur dann Milch, wenn sie Nachkommen zur Welt gebracht haben. Sie sind wie Menschen neun Monate lang schwanger und haben einen ähnlichen drei- bis fünfwöchigen sogenannten Brunstzyklus, der dem Menstruationszyklus entspricht.

 

Aber Milchkühe werden nicht als Lebewesen begriffen, deren Bedürfnisse zählen oder denen der Menschen ähnlich wären, sondern als Produktionseinheiten. Damit sie für die Industrie nutzbar sind, unterliegen sie einem lebenslangem Kreislauf von Trächtigkeit und Laktation. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt für die Kühe die Dauerschwangerschaft. Sie werden jedes Jahr künstlich befruchtet und sind fast ununterbrochen schwanger, damit sie unterbrochen Milch geben können (1).

 

Haben sie neun Monate Schwangerschaft hinter sich, gebären sie. Die Kälber werden ihnen kurz nach der Geburt weggenommen, was für die sozialen und sensiblen Tiere immer traumatisch ist. Die Kinder dürfen nicht die Milch ihrer Mütter trinken, da ihre Verdauungsorgane nicht auf den hohen angezüchteten Milchfettgehalt der Mütter eingerichtet sind und das Infektionsrisiko zu hoch wäre. Zudem könnte die Milchleistung der Mutterkühe nachlassen und eine erfolgreiche „Anschlussbesamung“ verzögert werden.

 

Die Kühe werden vom Zeitpunkt nach der Geburt bis wenige Wochen vor der nächsten zweimal täglich an die Melkmaschine angeschlossen. Da die Kuhzitzen empfindlich sind, kann die Melkprozedur im automatisierten Milchbetrieb, in der die Melkmaschinen auch unprofessionell oder zu schnell angelegt werden, oft unter Schmerzen ablaufen.

 

Ein paar Wochen nach der Geburt werden sie erneut geschwängert, damit sie, wenn ihre Milchleistung abnehmen würde, erneut gebären und in eine neue Laktationsphase eintreten (2).

 

Würden die Mutterkühe nicht kurz nach der Geburt wieder befruchtet, wären sie nach Ende ihrer Laktationsperiode wirtschaftlich nicht mehr nutzbar.

 

Mittlerweile konnte die Laktationszeit von etwa ursprünglich sechs Monaten auf 10 bis 11 Monate ausgedehnt werden. Daher kann davon ausgegangen werden, dass etwa die Hälfte der heute ermolkenen Milch von schwangeren Kühen stammt.

 

Wenn eine Anschlussbefruchtung funktioniert, ist eine Kuh etwa 75 Prozent ihrer Laktationszeit schwanger (3).

 

Um einen Liter Milch zu erzeugen, durchfließen das Euter über 500 Liter Blut (4). Die benötigten Nährstoffe für diese enormen Stoffwechselumsätze können selbst durch Kraftfutter nicht geliefert werden, weshalb diese den Körpern der Tiere kontinuierlich entzogen werden. Die damit einhergehende Pansenübersäuerung und anderer Stoffwechselstörungen sowie der Verlust von Kalzium laugt die Kühe daher zusätzlich in wenigen Jahren total aus. Denn dass sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Milch geben ist die Grundlage des Profits für die Milcherzeuger_innen. Obwohl Antibiotika auch illegal als Leistungsverstärker eingesetzt wird, lässt die Milchleistung nach wenigen Laktationsphasen nach.

 

Durch die Haltung, Mangelernährung und die Überbeanspruchung von permanenter Schwangerschaft und Milchproduktion sind die meisten Kühe nach fünf Jahren so „verbraucht“, dass sie „wertlos“ geworden sind.

 

Da sie dann nicht mehr genug Milch einbringen, um profitabel genug zu sein, werden sie meist in diesem jungen Alter geschlachtet. Eine Kuh, die während ihrer ersten Laktationsphase keine 7.000 Kilogramm Milch gibt, landet anschließend gleich im Schlachthaus, da ihre zukünftige Milchleistung zu gering wäre (5). Ihre natürliche Lebenserwartung läge bei 15 bis 30 Jahren.

 

 

 

 

 

1 Maria Rollinger: Milch besser nicht, Erfurt 2004, S. 93.

 

2 Maria Rollinger: Milch besser nicht, Erfurt 2004, S. 93.

 

3 Ausgehend davon, dass die Standard-Laktationsperiode etwa 300 Tage, also 10 Monate und die Trockenperiode (zwischen Laktation und Geburt des nächsten Kindes) etwa 40-60 Tage beträgt.

 

4 Rolf Dieter Fahr, Gerhard von Lengerken (Hg.): Milcherzeugung, Frankfurt a.M. 2003, S. 55.

 

5 Rollinger, S. 96.

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