EU-Schulmilchprogramm

 

Gründung und Funktion/Zielsetzung des Schulmilchprogramms

 

Am 28. September 2000 rief die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) den ersten 'Weltschulmilchtag' aus (1). Teil dieses 'Weltschulmilchtages' ist das 'Schulmilchprogramm der Europäischen Union' (seit 2008 gem. VO (EG) Nr. 657/2008). Schulmilchprogramme im Rahmen von Schulspeisungen weisen jedoch eine längere Tradition auf, so dass hier von einem alten Projekt in neuem gesamteuropäischen Gewand gesprochen werden kann.

 

Ziel des EU-Schulmilchprogramms ist es, an den Schulen verbilligte Milchprodukte zur Verfügung zu stellen. Um das Ziel zu erreichen werden Zuschüsse bewilligt, die an die Lieferant_innen (Molkereien, Händler_innen, Direktvermarkter_innen) oder Trägerschaften (wie beispielsweise Schulämter, Gemeinden oder kirchliche Träger) gezahlt werden. Aber auch förderungswürdige schulische Einrichtungen (das können Kindergärten, Vorschulen, Grundschulen und weiterführende Schulen sein) können selbst Antragsteller werden und verbilligte Milchprodukte einkaufen (2). Die Lieferant_innen versorgen diejenigen Einrichtungen mit Milchprodukten, die sich für die Bezuschussung aus Mitteln der Euroäischen Garantiefonds für Landwirtschaft (EGFL) registriert haben. Die Zuschüsse können als Vergütung des Verkaufspersonals verwendet oder für eine Senkung des Verkaufspreises genutzt werden (3).

 

Für die Umsetzung des EU-Schulmilchprogramms in Deutschland sind die Bundesländer verantwortlich. Durch die Förderungen werden insgesamt etwa 6% der berechtigten Schüler_innen in Deutschland erreicht. Um Schulen und Kindergärten für das Programm zu gewinnen, lobt das Bundesland NRW beispielsweise eine Prämie in Höhe von 500 EUR für Schulen bzw. 250 EUR für Kindergärten aus, die aus Mitteln des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz gezahlt werden.

 

Einige Zahlen und Fakten

 

Im Schuljahr 2007/2008 wurden im Rahmen des EU-Schulmilchprogramms rund 300.000 Tonnen Milch an 27 Mitgliedsstaaten verteilt und Zuschüsse im Umfang von mehr als 55 Millionen Euro gewährt. Allein in Deutschland wurden im Jahre 2010 etwa 6,5 Millionen Euro Fördergelder für die Schulmilchversorgung bereitgestellt. Im Jahre 2012 betrugen die Zuschüsse etwa 70 Millionen Euro von denen 5,6 Millionen Euro auf die Subventionen in Deutschland entfielen.

 

Pro Schüler_in und Schultag werden derzeit 250 Milliliter Milcherzeugnis mit rund 4,5 Cent gefördert. Im Vergleich wurden im Schuljahr 2010/11 nur 43.000 Tonnen Obst und Gemüse gegenüber 300.000 Tonnen an Milcherzeugnissen aus EU-Fördermitteln bezuschusst. (4)

 

Rechtfertigung der EU

 

Das EU-Schulmilchprogramm rechtfertigt die Versorgung von Schulen mit Milch mit einem gesundheitlichen Ansatz. Schüler_innen sollen dazu angehalten werden sich gesünder zu ernähren. "Ein Großteil unserer Schülerinnen und Schüler leidet an Kalziummangel" (5) heißt es auf der Website "Schulversorgung"(6). Die Versorgung mit Milch soll dazu angeblich einen Beitrag leisten. Weiter heißt es dazu: “unentbehrlich sind Milch und Milchprodukte wegen ihres hohen Gehaltes an besonders gut verfügbarem Kalzium...” (7). Die Website 'weltschulmilchtag.de' führt als Gründe für die Kampagne eine ausreichende Kalziumversorgung, Flüssigkeitszufuhr und die Versorgung mit Energie für Schüler_innen an (8).

 

Kritik

 

Den gesundheitsförderlichen Aspekt relativiert die Kampagne selbst indem sie zugibt, dass sich zuckerhaltige Milchmischgetränke besser verkaufen als 'pure Milch': "Häufig kommt die Frage auf, ob aufgrund des zugesetzten Zuckers nicht auf Milchmixgetränke verzichtet werden sollte. Dabei gilt zu bedenken, dass Kinder und Jugendliche Milchmischgetränke, z.B. Kakao bevorzugen. Pure Milch wird nicht so stark nachgefragt. Erfahrungen haben gezeigt, dass öfter zur Schulmilch gegriffen wird, wenn die angebotene Produktpalette groß ist und nach Belieben zwischen verschiedenen Sorten ausgewählt werden kann. Wird hingegen nur Milch pur verkauft, ist die Nachfrage oft so gering, dass der Schulmilchverkauf über kurz oder lang meist wieder eingestellt wird. In der Folge trinken die Schüler überhaupt keine Milch." (9)

 

Kritische Stimmen gegenüber den nachteiligen und gesundheitsschädlichen Aspekten des Milchproduktkonsums werden versucht zum Schweigen zu bringen (10).

 

Neben den negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Milchkonsument_innen und den tierrechtlichen Aspekten einer Verdinglichung der sogenannten Milchkühe und der Tötung männlicher Kälber in diesem Zusammenhang, muss zudem die Frage gestellt werden, inwieweit die Subventionen den Schüler_innen zugute kommen, oder ob lediglich das Verkaufspersonal und Lieferant_innen/Hersteller_innen von Milchprodukten davon profitieren. Eine Abdeckung von gerade einmal 6% der berechtigten Schüler_innen in Deutschland durch diese Kampagne spricht eher dafür, dass die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Menschen im Vordergrund stehen, die von der EU subventioniert werden. Das sind Subventionen, mit denen die Förderung einer flächendeckenen Vesorgung der Schuen mit Obst und Gemüse weiter ausgebaut werden könnte (11).

 

 

 

�~@~K

 

 

1, 8 http://www.weltschulmilchtag.de/weltschulmilchtag.html

 

2, 3, 9 http://www.weltschulmilchtag.de/aus-den-bundeslaendern/index.html

 

4 http://www.weltschulmilchtag.de/umfrage-eu-schulmilch-programm/index.html

 

5, 7 http://www.schulversorgung.de/schulmilchprogramm.html

 

6 Als Informationsquelle nennt die Website 'Schule und Beratung, Unterrichtshilfe für Lehrer, staatliche Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 84036 Landshut'.

 

10 http://www.schulmilch-fuer-alle.de/index.php?id=100

 

11 http://www.greenpeace-magazin.de/aktuell/2014/01/02/gesuender-lernen/

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